10 Fehler, die Motorrad-Anfänger Geld kosten
Zusammenfassung
Motorradfahren wirkt gerade für Anfänger oft leichter, als es tatsächlich ist – und genau darin liegen die größten Gefahren. Jedes Jahr zeigen unzählige Stürze, dass typische Fehler immer wieder auftreten: Angst vor Schräglage raubt wichtige Sicherheitsreserven, fehlendes Bremsgefühl führt zu Panikreaktionen und falsche Sichtbarkeit im Verkehr endet schnell im „Ich habe ihn nicht gesehen“. Hinzu kommen technische Nachlässigkeiten wie alte Reifen oder falscher Luftdruck, unterschätztes Langsamfahren mit typischen Umfallern bei Schrittgeschwindigkeit sowie falsch gewählte Parkpositionen, die beim Rangieren teuer werden. Besonders riskant wird es in Gruppen, wenn Fahrer über ihr eigenes Limit hinausfahren, oder nach den ersten Monaten Routine, wenn Selbstüberschätzung den Fokus verdrängt. Der zentrale Lernpunkt: Motorradfahren endet nicht mit dem Führerschein. Sicherheit entsteht durch Training, Technikverständnis, bewusste Wahrnehmung und die Bereitschaft, kontinuierlich dazuzulernen – denn echte Kontrolle bedeutet nicht schneller zu sein, sondern vorbereitet.
Jedes Jahr zu Saisonbeginn erreichen uns hunderte Videos von Stürzen, Umfallern und vermeidbaren Fehlern. Deshalb stellen wir zehn typische Anfängerfehler vor, um sicher durch die kommende Saison zu kommen. Fehler Nummer 1 ist die Angst vor Schräglage. Viele Anfänger meiden Schräglage, weil sie diese automatisch mit Risiko verbinden, bleiben möglichst aufrecht und glauben, dadurch sicherer zu fahren. Tatsächlich ist Schräglage aber kein Feind, sondern ein Werkzeug und eine wichtige Sicherheitsreserve. Wer keine Schräglage fahren kann oder will, hat in Kurven keine Reserven mehr: Man kann nicht enger fahren, nicht korrigieren und nicht spontan ausweichen. Gerade wenn sich eine Kurve plötzlich zuzieht, führt fehlende Schräglage oft dazu, dass gebremst und kerzengerade in Gegenverkehr oder Leitplanke gefahren wird. Schräglage lässt sich trainieren, etwa durch Achterfahren auf dem Parkplatz, wiederholtes Befahren freier Kurven oder spezielle Schräglagenkurse. Wichtig ist ein drückender Fahrstil statt einfachem „Umlegen“. Motorräder können deutlich mehr Schräglage, als Anfänger meist nutzen – das Limit liegt fast immer im Kopf. Merksatz: Schräglage ist kein Muttest, sondern ein Airbag in der Kurve.
Bremsen & Sichtbarkeit richtig lernen
Fehler Nummer 2 betrifft falsches Bremsen und fehlendes Bremsgefühl. Viele Unfälle entstehen, weil andere Verkehrsteilnehmer sagen: „Ich habe ihn nicht gesehen.“ Motorräder verschwinden leicht im toten Winkel oder hinter der A-Säule, besonders bei Spurwechseln. Die Lösung ist aktiv sichtbar zu fahren, nicht lange im toten Winkel zu bleiben und Überholmanöver zügig durchzuführen. Gleichzeitig können viele Anfänger trotz Fahrschule nicht richtig bremsen. In der Fahrschule lernt man zwar die Notbremsung, aber kaum ein echtes Gefühl für die eigene Bremse, das ABS, die Dosierung und das Zusammenspiel von Vorder- und Hinterradbremse. Im Alltag fühlt sich das eigene Motorrad durch andere Bremsen, anderes ABS, Gewicht, Schwerpunkt, Radstand und Sitzposition oft ganz anders an. Viele bremsen deshalb entweder zu zaghaft oder in Panik viel zu hart. Die Lösung ist bewusstes Üben mit dem eigenen Motorrad: Notbremsungen, sanftes Anbremsen, progressiven Druckaufbau und das bewusste Erleben des ABS, am besten auf Parkplätzen. Merksatz: Bremsen ist kein Hebel, sondern ein Gefühl. Fehler Nummer 3 ist das Festklammern am Lenker. Wer den Lenker wie eine Rettungsleine hält, macht das Motorrad nervös, fährt unsauber durch Kurven und bekommt schnell verkrampfte Arme. Kontrolle kommt nicht aus Kraft, sondern aus lockeren Armen, Beinschluss und stabiler Körperhaltung.
Langsamfahren, Parken & Technikfehler
Fehler Nummer 4 ist das Unterschätzen des Langsamfahrens. Die meisten Umfaller passieren bei Schrittgeschwindigkeit oder im Stand, etwa beim Anhalten an der Ampel mit eingeschlagenem Lenker, gezogener Bremse und zu spätem Absetzen des Fußes. Langsamfahren ist technisch anspruchsvoll, weil Balance, Kupplung, Gas und Bremse gleichzeitig koordiniert werden müssen. Die Lösung ist gezieltes Üben, zum Beispiel Slow Race, bei dem man möglichst langsam fährt, ohne den Fuß abzusetzen. Fehler Nummer 5 ist falsches Parken, insbesondere bergab oder so, dass man nicht vorwärts wegfahren kann. Wer bergab vorwärts parkt, macht sich das Wegfahren unnötig schwer, wird nervös und wirft das Motorrad beim Rangieren um. Grundsatz: Immer so parken, dass man vorwärts wegfahren kann – zwei Sekunden Nachdenken sparen später Schweiß, Ärger und Geld. Fehler Nummer 6 ist das Vernachlässigen der Technik zugunsten der Optik. Reifen, Bremsen und Fahrwerk sind entscheidend für Grip und Bremsweg. Die einzige Verbindung zur Straße ist pro Reifen etwa kreditkartengroß. Alte Reifen, falscher Luftdruck oder falsche Fahrwerkseinstellungen verschlechtern Grip, Bremsweg und Schräglagenreserven massiv. Reifen sollten bei Alter getauscht, der Luftdruck regelmäßig geprüft und die Fahrwerkseinstellungen aus dem Handbuch beachtet werden. Merksatz: Reifen sind deine Lebensversicherung.
Gruppendruck, Blickfehler & Übermut
Fehler Nummer 7 ist der Gedanke „Er hat mich gesehen“. Viele Unfälle passieren, weil andere Verkehrsteilnehmer Motorräder übersehen. Deshalb ist aktive Sichtbarkeit entscheidend. Fehler Nummer 8 betrifft Gruppenfahren und Überforderung. In der Gruppe passen sich viele dem Tempo an und fahren über ihrem eigenen Limit, was besonders bei den ersten Ausfahrten oft zu Stürzen führt. Die Lösung ist, das eigene Tempo zu fahren. Wer wartet, ist kein schlechter Fahrer, sondern ein guter Gruppenpartner. Gute Gruppen kommen gemeinsam an. Fehler Nummer 9 ist schlechte Blickführung. Anfänger schauen zu nah vors Motorrad oder fixieren Hindernisse wie Sand in der Kurve, wodurch sie genau dorthin fahren. Wichtig ist, aktiv dorthin zu schauen, wo man hinfahren will, dabei aber auch peripher den Überblick zu behalten. Fehler Nummer 10 ist Selbstüberschätzung nach der ersten Routine. Motorradfahren wird gefährlich, wenn es sich plötzlich leicht anfühlt: Fokus lässt nach, Reaktionen werden später, Vertrauen ist größer als das Können. Viele Lernunfälle passieren nach der ersten Euphoriephase. Das Fazit lautet deshalb: Motorradfahren endet nicht mit dem Führerschein und auch nicht mit dem ersten Training. Weiterlernen, Trainings, Feedback und Selbstreflexion sind entscheidend – egal auf welchem Niveau man fährt.