Ducati Desert X: Mehr als Enduro
Zusammenfassung
Die neue Ducati Desert X zeigt eindrucksvoll, warum der neue 890-Kubik-V2 mittlerweile in sechs Ducati-Modellen eingesetzt wird. Der 90°-Twin liefert 110 PS bei 9000 Umdrehungen und 92 Nm bei 7000 Touren, überzeugt aber vor allem mit kräftigem Drehmoment aus niedrigen Drehzahlen und einem emotionalen, typisch kernigen Ducati-V2-Sound. Trotz 209 Kilogramm Trockengewicht wirkt die Desert X überraschend handlich und souverän – sowohl auf der Straße als auch im Gelände. Das komplett überarbeitete Chassis mit voll einstellbarem Kayaba-Fahrwerk, 230 Millimeter Federweg vorne und 220 Millimeter hinten sorgt für enorme Stabilität und Kontrolle. Dazu kommen sechs Riding Modes inklusive Enduro- und Rally-Modus, moderne Elektronik mit Kurven-ABS, Traktionskontrolle und serienmäßigem Tempomat. Kritik gibt es lediglich am nicht perfekt abgestimmten Quickshifter. Insgesamt verbindet die Desert X Abenteuer, Alltag und Ducati-Emotion auf beeindruckende Weise.
Ducati schickt mit der neuen Desert X bereits das sechste Motorrad mit dem 890-Kubik-V2 ins Rennen – und genau dieser Motor ist das Herzstück einer Maschine, die Abenteuer nicht nur verspricht, sondern lebt. Der 90°-V2 bleibt der klassischen Ducati-Linie treu, verabschiedet sich aber von der desmodromischen Ventilsteuerung zugunsten längerer Wartungsintervalle und geringerer Kosten. Stattdessen arbeitet die neue IVT-Technologie, das „Intake Variable Timing“, an der variablen Einlassventilsteuerung. In der Desert X leistet der Twin 110 PS bei 9000 Umdrehungen und liefert 92 Nm bei 7000 Touren. Weniger Spitzenleistung als etwa die Hypermotard V2 mit ihren 120 PS, dafür ein deutlich kräftigeres Drehmoment aus dem Keller. Genau das spürt man sofort: Schon ab 2000 Umdrehungen zieht die Ducati sauber hoch, völlig ruckfrei, selbst im sechsten Gang durch Ortschaften. Sobald die Straße frei wird, feuert der Motor mit typischem V2-Sound und kernigem Druck aus den Kurven – begleitet von diesem unverwechselbaren Ducati-Klang, der sofort Gänsehaut erzeugt.
Geboren für Staub und Freiheit
Optisch bleibt die neue Desert X ihrem ikonischen weißen Look treu, technisch hingegen ist beinahe alles neu. Neben dem Motor wurde auch das Chassis überarbeitet. Ducati setzt weiterhin auf den Monocoque-Rahmen, verstärkt ihn jedoch für mehr Robustheit und Offroad-Tauglichkeit. Der Heckrahmen besteht weiterhin aus Chromoly-Stahl. Das Trockengewicht liegt bei 209 Kilogramm, der neue Kunststofftank fasst 18 Liter statt bisher 21. Vorne arbeitet jetzt eine voll einstellbare Kayaba-Gabel mit 46 Millimeter Durchmesser und 230 Millimeter Federweg, hinten ein ebenfalls voll einstellbares Kayaba-Federbein mit Umlenkung und 220 Millimeter Federweg. Gerade im Gelände zeigt die Desert X, warum diese Änderungen wichtig waren. Sandige Passagen, tiefe Rinnen und schnelle Schotterstücke steckt sie souverän weg. Trotz ihres Gewichts wirkt sie erstaunlich handlich. Besonders die Stehposition überzeugt: schmaler Sattel, perfekter Knieschluss und ein Lenker, der genau dort sitzt, wo man ihn haben will. Dadurch entsteht ein natürliches Fahrgefühl, das Vertrauen schafft – selbst dann, wenn der Untergrund schwierig wird.
Elektronik mit Abenteuer-DNA
Die Desert X bringt alles mit, was man heute von einer modernen Ducati erwartet. Sechs Riding Modes stehen bereit: Wet, Touring, Sport, Urban sowie die beiden Offroad-Programme Enduro und Rally. Im Enduro-Modus wird die Leistung auf 75 PS reduziert – mehr als genug für schnelle Schotterpassagen und technisch anspruchsvolle Wege. Im Rally-Modus hingegen stehen die vollen 110 PS bereit, inklusive deaktivierter Traktionskontrolle am Hinterrad und abgeschaltetem ABS hinten. Trotzdem bleibt die Leistungsentfaltung harmonisch und berechenbar. Unterstützt wird das Ganze von Kurven-ABS, Traktionskontrolle und einstellbarer Motorbremse. Auch die Bremsanlage überzeugt auf ganzer Linie: Brembo-Doppelscheiben mit M4.32-Zangen liefern eine sanfte, hervorragend dosierbare Verzögerung. Nie zu aggressiv, aber immer kraftvoll genug. Dazu kommen serienmäßiger Tempomat und eine deutlich verbesserte Windschutzscheibe gegenüber der Vorgängerin. Die Sitzhöhe beträgt serienmäßig 880 Millimeter, optional sind 900 oder 860 Millimeter möglich, mit Tieferlegung sogar 840 Millimeter. Damit lässt sich die Desert X erstaunlich flexibel anpassen.
Zwischen Sehnsucht und Vernunft
Auch auf der Straße überrascht die Ducati mit beeindruckender Vielseitigkeit. Die Pirelli Scorpion Rally STR in den Dimensionen 90/90-21 vorne und 150/70-18 hinten sehen aus wie grobe Offroad-Stollenreifen, liefern auf Asphalt aber erstaunlich viel Grip und Stabilität. Selbst schnelle Kurven bringen die Desert X nicht aus der Ruhe. Gleichzeitig bleibt sie jederzeit bereit für den nächsten Schotterweg. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie verbindet Abenteuerlust mit Alltagstauglichkeit. Natürlich gibt es einen kleinen Wermutstropfen. Der Quickshifter arbeitet nicht immer sauber. Zwischen erstem und zweitem Gang landet man gelegentlich im Leerlauf, beim Hochschalten wirkt das System manchmal etwas ruppig. Außerdem verlangt Ducati weiterhin Gasbefehle beim Hoch- und Runterschalten, was im Alltag nicht immer ideal ist. Doch trotz dieser Kritik bleibt am Ende ein extrem starker Gesamteindruck. Die neue Desert X ist teuer, aber sie liefert dafür ein Motorrad, das emotional berührt, technisch überzeugt und gleichzeitig vernünftig nutzbar bleibt. Vielleicht ist sie tatsächlich das beste Bike mit dem neuen 890er-V2 – weil sie nicht nur aufregend fährt, sondern einfach alles kann.